Tafel 19: Von der Schule zum Wohnprojekt
Wo ist denn die Schule geblieben, werden sich manche fragen, die hier am Osterbekkanal spazieren gehen. Auf dem 1 Hektar großen, ehemaligen Schulgelände ist ein neues Wohnquartier entstanden: eine Wohnanlage der SAGA-GWG und das Wohnprojekt „Schulfrei“ der Baugemeinschaft „Die Kekse“ und der Wohnungsbaugenossenschaft „fluwog“.
Vom Lehren zum Wohnen
Auf dem Standort des neuen Wohnquartiers befand sich bis 2007 das Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek (GUB). Die Schule wurde 1907 als Realschule gegründet, 1920 in ein Realgymnasium umgewandelt und nach 1945 mit der „Oberrealschule auf der Uhlenhorst“ vereinigt. Bis in die 1970er Jahre war die Schule eine reine Jungen- Schule. 1968/69 unterrichteten hier erstmals auch Lehrerinnen. In seinem Baustil war das von dem Architekten Albert Erbe entworfene Schulgebäude dem Hamburger Barock des 18. Jh. nachempfunden. Bei den Bombenangriffen 1943 wurde der Turnhallenbau zerstört, das restliche Gebäude blieb weitgehend erhalten. Anfang der 1960er Jahre wurde die Schule zu einem nüchternen, schmucklosen Zweckbau ‚modernisiert‘. Die Ecksymmetrie und die Dachkonstruktion wurden zugunsten eines Flachdaches aufgegeben.
2007 kam das Ende der Schule, trotz Protesten von Schülern, Eltern und Lehrern. Nach jahrelangem Leerstand der Schule wurde das Gelände schließlich für den Wohnungsbau freigegeben. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt und das Bezirksamt-Nord wollten alle Gebäude abreißen. Eine Initiative um die Baugemeinschaft „Barmbeker Schweiz“ setzte sich für den Erhalt des über 100 Jahre alten Schulgebäudes ein und wollte dort 45 Wohnungen errichten. Die Bezirksversammlung sprach sich daraufhin für den Erhalt des historischen Teils der Schule aus. Die Baugemeinschaft „Barmbeker Schweiz“ ging jedoch bei der Vergabe des Wohnprojektes durch die Stadtentwicklungsbehörde leer aus. Den Zuschlag erhielt die Baugemeinschaft „Die Kekse“ und die „fluwog“, die mit ihrer Wohnanlage „Schulfrei“ das Zusammenleben jüngerer Familien mit Kindern und die Integration älterer und behinderter Bewohner fördern wollen. Das ehemalige Schulgebäude wurde von den Architekten „Huke-Schubert Berge“ im Passivhausstandard umgebaut. Das historische Treppenhaus blieb erhalten, ebenso ein Teil der Deckenbögen. Die Fenster wurden verändert, Balkone angesetzt. Aus den Schulräumen sind 40 familien-, alten- und behindertengerechte Wohnungen mit 2 bis 5 Zimmern entstanden. Der überwiegende Teil der Wohnungen wurde im ersten Förderweg zur Miete von 5,80 Euro pro Quadratmeter realisiert, die freifinanzierten Wohnungen wurden zu 9,25 Euro pro Quadratmeter vermietet.
Schule in der Nachkriegszeit, Zitat von Dr. Hans Apel
Die Schule war damals von einem Ruinenfeld umgeben. Sie selbst war heil geblieben. Nur die Turnhalle war abgebrannt. Im Winter leuchteten die Lichter der Schule schon von weitem wie ein Leuchtturm in einer Trümmerwüste. Der Unterricht kam nur mühsam in Gang. Wir hatten enorme Wissenslücken. Unser Geschichtsunterricht spiegelte die Probleme dieser Jahre besonders wieder. Niemand traute sich in diesen Jahren, deutsche Geschichte der letzten hundert Jahre zu vermitteln. So haben wir uns mühsam vom Altertum über das Mittelalter bis in die Neuzeit vorgearbeitet. Aber wenn es ‚spannend‘ wurde, hörte der Geschichtsunterricht auf.
Vom Schulgeist und verschwundenen Portal, Zitat von Alfred Skur (2011)
Wir, die Abgänger des Jahres 1956, Klasse 13b, treffen uns jedes Jahr. Schockierend die Veränderung unseres alten ehrwürdigen Gebäudes. Warum fiel es nicht unter Denkmalschutz? Einfach kopflos zu machen und den Eingang zumauern und in den Bereich der ehemaligen Turnhalle zu verlegen und in Bunkerform umzuwandeln – Schrecklich! Ich persönlich würde mich nicht überrascht zeigen, wenn den neuen Bewohnern der Schulgeist erscheint und ruft: ‚Nicht verstanden, setzen, Fünf !!!‘ – Frage: Wo ist das Portal geblieben?
