Tafel 21: Keitelstift
Dorothea und Adolphine Keitel begründeten per Testament 1901 die Stiftung, die 1905 das Gebäude hier errichten ließ. Das Grundstück, einen ehemaligen Katnerhof, stellte die Stadt zur Verfügung. Die 50 mietfreien Wohnungen waren „armen, unbescholtenen, mindestens 45 Jahre alten Mädchen“ aus dem „Handwerker- und Dienstbotenstande“ vorbehalten. Die Aufnahmebedingungen wurden später gelockert. Nach der gültigen Satzung sollen „vorwiegend Frauen und Witwen“ als Mieter aufgenommen werden. Ein §5-Schein jedenfalls ist Voraussetzung.
Manche Barmbeker empfanden das Äußere, gemessen an der Umgebung, wohl als pompös. Daher die Bezeichnung „Schloss von Barmbek“. Der Turm ist heute verkürzt, einige Balkonbrüstungen sind „zugemauert“: Kriegsfolgen. Das Dachgeschoss ist 1953 ausgebaut worden. Abriss und Neubau wurden erwogen, bevor 1977 Wohnungen zusammengelegt und Küchen und Duschbäder eingebaut wurden. Wie die Mehrzahl öffentlicher und genossenschaftlicher Bauten hat das Keitelstift die Bombardierungen besser als durchschnittliche Mietshäuser überstanden. Es lag auch an der solideren Bauweise.
Die kleinen Häuser auf der anderen Straßenseite sind Zeugen der frühen Verstädterungsphase Barmbeks. Sie sind 1885/86 gebaut, wahrscheinlich alle vom Barmbeker Maurermeister Grupe (siehe Stellbergterrain). Durch Bombenschaden und Wiederaufbau sind sie mehr oder weniger verunstaltet. Die meisten kehrten der Straße einen Giebel zu. Nur bei der Nummer 55 sind davon im Jahr 2003 noch Umrisse zu erkennen. Die Häuschen gehörten z. T. Handwerksmeistern. So die Nummer 55 seit 1920 dem Schuhmacher Ude (gestorben 1986). Ude war ein Stadtteiloriginal und rühmte sich, Hamburgs ältester praktizierender Handwerksmeister zu sein.
