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Schriftzug Geschichtswerkstatt Barmbek in weißen Buchstaben vor einer roten Backsteinmauer

Tafel 27.1: Emily Ruete Sayyida Salme bin Said ibn Sultan – von Sansibar nach Hamburg

Auf Sansibar aufgewachsen

Sayyida Salme bin Said ibn Sultan, auch Sayyida Salme — Prinzessin von Oman und Sansibar – genannt, ist am 30. August 1844 in Beit il Mtoni auf der Insel Sansibar geboren. Ihr Vater, Sayyid Said, war regierender Sultan von Oman und Sansibar. Ihre Mutter Jilfidan, eine Tscherkessin von Geburt, stammte aus dem Westkaukasus. Sie war als Kind von Sklavenhändlern entführt und an den Sultan verkauft worden, der sie in späterer Zeit zu einer seiner Nebenfrauen auswählte und von ihr ein Kind bekam. Sayyida Salme hatte eine unbeschwerte Kindheit und Jugend in privilegierter Umgebung. Sie brachte sich heimlich selbst Lesen und Schreiben bei, lernte Reiten, Fechten und Schießen, was für Mädchen in der muslimischen Kultur damals nicht üblich war. 1856 starb ihr Vater, drei Jahre später verliert sie als 15-Jährige auch ihre Mutter, die bei einer Choleraepidemie starb. Nach dem Tod ihrer Eltern erbte sie von ihnen Plantagen, Wohnhäuser und Geld.

Sansibar – Vor der Küste Ostafrikas

Sansibar ist eine von der muslimischen Kultur geprägte Inselgruppe vor der Küstte Ostafrikas, die aus den beiden Hauptinseln Zanzibar und Pemba sowie einigen kleineren Inseln besteht Sansibar-Stadt entwickelte sich im 19. Jahrhundert von einem kleinen Fischerdorf zu einer Handelsmetropole und war Zentrum des ostafrikanischen Besitzes von Sultan Sayid Said. Wirtschaftlicher Mittelpunkt war der Handel mit Gewürzen, Kaurimuscheln, Elfenbein und Sklaven. Sansibar war in dieser Zeit auch ein beliebtes Ziel von europäischen Missionaren, Forschern und Kaufleuten. Hanseatische Firmen (O’Swald, Hertz, Hansing & Co, H.C. Meyer) spielten eine bedeutende Rolle auf Sansibar und unterhielten mit den regierenden Sultanen enge Beziehungen.

Rudolph Heinrich Ruete und das Handelshaus „Hansing & Co“

Rudolph Heinrich Ruete (1839-1870) war ab 1855 als Handelsvertreter für das Handelshaus „Hansing & Co“ tätig, zunächst in Aden, dann in Sansibar, wo er bis 1867 Leiter der Hamburger Niederlassung war. Sein Wohnhaus grenzte unmittelbar an die Wohnräume des Palastes des Sultans Madjid bin Said an, mit dem er einen Freundschafts- und Kooperationsvertrag unterzeichnet hatte. „Hansing & Co“ war im Handels-, Reederei- und Bankgeschäft tätig und besaß seit 1853 auf Sansibar eine Faktorei. Im Vordergrund der Afrikageschäfte stand der Handel mit Gewürznelken, Ebenholz, Elfenbein und Kaurimuscheln. Im Gegenzug wurden aus Hamburg Textilwaren, Waffen und Munition eingeführt. Die Firma besaß auf Sansibar eine eigene Nelkenplantage, auf des auch Sklaven eingesetzt wurden. In den 1880er Jahren unterstützte das Handelshaus auch die deutschen Kolonialeroberungen in Ostafrika.

Verbotene Liebe – Flucht nach Hamburg und immer weiter

1866 lernte Sayyida Salme den Hamburger Kaufmann Rudolph Heinrich Ruete kennen, der in einem benachbarten Gebäude des Sultan Palastes wohnte. Die beiden verlieben sich, Sayyida Salme wird schwanger. Als Muslimin durfte sie sich nach geltendem Recht nicht mit einem Andersgläubigen einlassen, geschweige denn ein Kind von ihm zur Welt bringen. Sie entschließt sich, Sansibar heimlich zu verlassen. Nach der Geburt ihres Sohnes Heinrich jr. in Aden (1867) lasst sie sich auf den Namen Emily taufen, heiratet Rudolph Heinrich Ruete und bricht mit ihm zusammen Richtung Hamburg auf. Noch bevor sie in Hamburg eintreffen, stirbt ihr Kind.

In Hamburg lebte sie mit ihrem Mann auf der Uhlenhorst „An der schonen Aussicht” Nr. 29. In kurzer Zeit bekommt sie drei weitere Kinder. Obwohl Emily Ruete in ihrer neuen Umgebung ein zunächst sorgloses und zufriedenes Leben hatte, fiel ihr das Leben in der zweiten Heimat nicht leicht. Mit der Zeit lernt sie die Vorzüge der deutschen Kultur kennen und schätzen, aber auch die Schattenseiten. Als Zugewanderte spürt sie in Hamburg bald auch die Zurückhaltung, fragwürdige Neugier und das Misstrauen gegenüber der Fremden. Drei Jahre nach dem Verlust ihres Kindes sieht sie sich erneut vom Unglück verfolgt. Ihr Mann wird 1870 beim Abspringen von der Pferde-Straßenbahn überfahren und stirbt nach dem Unfall.

Die gesicherte Welt der Familie bricht zusammen. Da ihr Mann kein Testament hinterließ und das Hamburger Eherecht damals keiner Frau die eigenständige Verwaltung des Erbes gestattete, konnte Emily Ruete nicht frei über das Vermögen verfugen. Die Vormundschaftsbehörde stellte der Witwe zwei Vormünder zur Seite, die sich als schlechte Berater erwiesen. Zudem verweigerte Heinrich Ruetes Geschäftspartner in Sansibar der Witwe eine Auszahlung der Anteile ihres Mannes, so dass sie ihren bisherigen Lebensstandard nicht mehr aufrechterhalten konnte. Sie muss die Wohnung „An der schonen Aussicht” aufgeben und zieht 1871 in eine kleinere und billigere Wohnung in der Blücherstraße 11 in Uhlenhorst. Nach ihrem Umzug beginnt sie, Schreibunterricht zu nehmen und versuchte in der Folgezeit mit Arabischunterricht und Bücherschreiben ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ohne ihren Mann fühlte sie sich als alleinstehende Frau von der Hamburger Gesellschaft gemieden und ausgenutzt. Sie entschließt sich, Hamburg zu verlassen und zieht nach Dresden, später nach Rudolstadt, Berlin, Köln. In dieser Zeit schreibt sie ihr erstes Buch, das 1886 veröffentlicht wird.

Auf der Uhlenhorst

Anfang des 19. Jahrhunderts war Uhlenhorst eine sumpfige Wiesenlandschaft und ein beliebiges stadtnahes Ausflugsziel. In den 1850er Jahren setzte zwischen Osterbek und Eilbek die allmähliche Bebauung und Besiedlung ein. 1845 war die Privat-Straße „An der schönen Aussicht” angelegt worden (seit 1899 verkürzt auf „Schöne Aussicht“). Das Alsterufer und das angrenzende Hinterland waren nach dem Bebauungsplan von 1851 für Villen reserviert. Hier siedelten sich vorwiegend Kaufleute an, die mit Überseegeschäften vermögend geworden waren und häufig mit Nord- und Südamerikanerinnen verhelratet waren. Im Anschluss an die Villen gab es auch Etagenhäuser für die Mittelschicht und weiter östlich, Richtung Barmbek, auch Arbeiterwohnungen. „Die Arbeiter wohnten in Uhlenhorst und die feinen Leute auf der Uhlenhorst.“ (Hermann Funke)

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