Menü
Navigation
Zum Inhalt springen
Schriftzug Geschichtswerkstatt Barmbek in weißen Buchstaben vor einer roten Backsteinmauer

Tafel 16.2: Wohnungsbaugenossenschaften in Barmbek

Als Gegengewicht gegen die private Bau- und Wohnungswirtschaft gründeten sich in Deutschland seit Mitte des 19. Jh. zahlreiche Wohnungsbaugenossenschaften. Sie setzten sich zum Ziel, für ihre Mitglieder preisgünstige und gesunde Wohnungen zu schaffen, um dadurch der zunehmenden Wohnungsnot zu begegnen. Selbsthilfe, gemeinschaftliches Wohnen, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung waren und sind bis heute wichtige Prinzipien des genossenschaftlichen Wohnungsbaus.

In Barmbek hatte genossenschaftliche Bautätigkeit Anfang des 20. Jh. begonnen. An der Dehnhaide entstand 1904 der Wohnblock der „Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerer Genossenschaft“, die 1875 gegründet worden war. 1905 wurde an der Schleidenstraße der Wohnblock der Produktion/PRO errichtet. Auch Beamte und Angestellte, kinderreiche Familien oder Gruppen aus dem kirchlichen Bereich gründeten zahlreiche Wohnungsbaugenossenschaften. Vorreiter für all diese Zusammenschlüsse waren die 1862 auf Steinwerder gegründete Häuserbaugenossenschaft zu Hamburg und der 1892 gegründete Hamburger Bau- und Sparverein.

In den 1920er Jahren wurde genossenschaftliches Bauen in Barmbek zum vorherrschenden Prinzip. Mehrere gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften wurden gegründet: Gemeinnützige Baugenossenschaft freier Gewerkschafter eG (1922), Baugenossenschaft Barmbek (1922) und Rübenkamp (1924), Baugenossenschaft Dennerstraße-Selbsthilfe eG (1924), Baugenossenschaft der Buchdrucker eG (1927/29). In dieser Zeit entstanden in Barmbek-Nord, Dulsberg und in der Jarrestadt die großen Backsteinsiedlungen, die dem Stadtteil sein Gesicht gaben und heute als Vorbild des sozialen und grünen Reformwohnungsbaus der 1920er Jahre gelten und zum Teil unter Denkmalschutz stehen.

Die gemeinnützigen Wohnungsbauorganisationen wurden bei der Vergabe von staatlichen Fördergeldern und Bauland bevorzugt und erhielten auch steuerliche Vergünstigungen. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933 – 1945) wurden die Baugenossenschaften weitgehend gleichgeschaltet und unterlagen der Kontrolle des NS-Staates. Nach Kriegsende knüpften die Wohnungsbaugenossenschaften wieder an ihre Traditionen vor 1933 an. Um leistungsfähiger zu werden und weiterhin die Gemeinnützigkeit zu behalten, schlossen sich mehrere kleinere Genossenschaften unter neuem Namen zusammen.

Mit der Steuerreform von 1990 wurde das Wohnungsgemeinnützigkeitsprinzip außer Kraft gesetzt. Die Genossenschaften mussten sich entscheiden, ob sie sich zukünftig als Wohnungsunternehmen voll steuerpflichtig auf dem Markt bewegen, oder als Vermietungs-Genossenschaft mit eingeschränktem Geschäftsbereich arbeiten wollten, um dadurch von der Körperschafts-, Vermögens- und Gewerbesteuer befreit zu werden. In den letzten Jahren haben sich die Wohnungsbaugenossenschaften in dem Arbeitskreis Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften e.V. zusammengetan, dem heute 30 Genossenschaften angehören. In ihren ca. 130.000 Wohnungen leben 200.000 Mitglieder, die von den Vorteilen des genossenschaftlichen Wohnens profitieren. Die Genossenschaftswohnungen nehmen heute etwa 25% des Hamburger Wohnungsbestandes ein, in Barmbek liegt der Anteil mit einem Drittel noch etwas höher.

Die Baugenossenschaft Fluwog Nordmark eG

Die gemeinnützige Flughafen Wohnungsbaugenossenschaft Fluwog wurde am 9. Februar 1949 von Mitarbeitern des Hamburger Flughafens gegründet. Ihr Ziel war die Errichtung von bezahlbarem Wohnraum in Langenhorn und Niendorf. Bis 1969 wurden hier 1.350 Wohnungen errichten. Im gleichen Jahr schloss sich die Fluwog mit dem Bauverein Nordmark zusammen. Dieser besaß seit den 1920er Jahren einen größeren Wohnungsbestand in den Stadtteilen Barmbek, Dulsberg und Hamm. Nach dem Zusammenschluss konnte die Baugenossenschaft Fluwog Nordmark eG kontinuierlich weiter wachsen. 2013 hatte sie einen Wohnungsbestand von über 4.500 Wohnungen und ca. 6.500 Mitglieder.

Standort