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Schriftzug Geschichtswerkstatt Barmbek in weißen Buchstaben vor einer roten Backsteinmauer

Tafel 20.1: Vom Dorfplatz zur Stadtlandschaft

Wer weil heute noch, dass wir uns hier im Kern des alten Dorfes Barmbek befinden? Aber bis zur Bombennacht vom 29. zum 30. Juli 1943 erinnerte noch Vieles an die dörfliche Vergangenheit. Das alte Kopfstein und mehrere Bauernhäuser waren als Reste des Dorfes bis in die 1930er Jahre vorhanden. Auch der Ort der alten Gerichtsstätte mit den vier Bäumen im Quadrat, der Burbarg, ließ sich immer noch gut erkennen. Doch bereits mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts waren die dörflichen Strukturen mehr und mehr verschwunden. So hatte man um das Jahr 1902 die beiden Dorfteiche zugeschüttet und einige alte Hofgebäude abgerissen. Neue Straßen wurden angelegt, und an ihren Rändern wuchsen zwischen 1900 und 1910 zahlreiche Etagenwohnhäuser in die Höhe. Auch in Barmbek eroberte die Großstadt das alte Dorf. Barmbek wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1271 als Siedlung erwähnt. 1355 verkauften die Grafen von Holstein das Dorf ‚Bernebeke‘ und die dazugehörigen Ländereien mit allen herrschaftlichen Rechten an das Hamburger Heiligengeisthospital. Das Hospital war zwar formell ein eigenständiges kirchliches Gebilde, aber tatsächlich vom Rat der Stadt beaufsichtigt.

Hufner und Kätner

Am Beginn des 16. Jahrhunderts war die Zahl der Bauern in Barmbek auf zwanzig angewachsen. Zwölf Hufner (Vollbauern) besaßen eine ‚Vollhufe‘ von ca. 50 bis 60 Hektar. Die acht ansässigen Kätner (Kleinbauern) mussten mit wesentlich weniger Land auskommen. Die Landwirtschaft diente damals zum Großteil, besonders bei den Kätnern, der Selbstversorgung. Das Einkommen aus dem Verkauf von Obst und Gemüse, das nicht für den Eigenbedarf bestimmt war, schwankte von Jahr zu Jahr. Als in den 1860er Jahren die stärkere Besiedelung Barmbeks begann, ging die Landwirtschaft rasch und stetig zurück. Immer mehr Äcker wurden als Bauland verkauft. Als erste trennten sich die Kätner von ihrem Land, das hauptsächlich in Barmbek-Süd lag.

Barmbek wächst

Mitte des 19.Jahrhunderts wohnten rund um den Dorfplatz und beiderseits vom Barmbeker Markt kaum mehr als 3.000 Menschen. Als Barmbek im Jahre 1871 zum ‚Vorort‘ erhoben wurde, betrug die exakt gemessene Einwohnerzahl bereits 7.761 und stieg bis zum Jahre 1894, als man ‚Stadtteil‘ wurde, auf 38.347 Personen an. Die Bebauung wuchs ab 1865 stetig an. Wohnstraßen entstanden beiderseits der Hauptdurchgangsstraßen (Hamburger Straße und Barmbeker Markt) und breiteten sich von dort nach Süden und in Richtung Osterbek aus. 1910 lebten bereits 84.000 Menschen in Barmbek. Nachdem 1937 Barmbek in die Stadtteile Barmbek-Süd, Barmbek-Nord und Dulsberg aufgeteilt wurde, zählte man dort insgesamt 223.000 Einwohner.

Gerichtsplatz und Gedenkstein

Von vier Linden begrenzt stand auf dem Gerichtsplatz, dem Burbarg, der Barmbeker Schandpfahl, der auch als Pranger bekannt war. An einem 2,58 m hohen Holzpfahl, der sich heute im Museum für Hamburgische Geschichte befindet, wurden die Verurteilten von etwa 1400 bis 1830 zur Schau gestellt und waren so dem Spott und den Launen der Dorfgemeinschaft ausgesetzt. Meist aber blieb es bei einer mündlichen Verhandlung und der Verurteilung zu einer Geldstrafe oder Arbeitsauflage.

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