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Schriftzug Geschichtswerkstatt Barmbek in weißen Buchstaben vor einer roten Backsteinmauer

Tafel 23: Bauvereins-„Burg“ Wohldorfer Straße

Der große Vorderhof dieses 1901/02 errichteten backsteinroten Häuserkomplexes ist das Merkmal der „Hamburger Burg“. Die „Burg“ ermöglichte Vorderfenster für alle Wohnungen bei guter Grundstücksnutzung. Der genossenschaftliche Bau- und Sparverein zu Hamburg, Bauherr auch hier, hat diese Form sozusagen eingeführt: 1899 am Stellinger Wegin Eimsbüttel (Ecke Methfesselstraße). Vor allem die „Gemeinnützigen“ wandten sie bis zum 1. Weltkrieg häufig an. Z. B. Der Konsum-, Bau- und Sparverein „Produktion“ (P R O) 1906 an der Brucknerstraße. Der Bauverein tat es 1910 beim 1943 zerstörten Block an der Pestalozzistraße gleich zweifach. Von den 228 Wohnungen hier waren 167 zweizimmrig (ohne Bad). Miete: 240-257 Mark jährlich, etwa 1/6 vom Gesamteinkommen eines Arbeiterhaushalts. Die umgebende „ungeordnete, von keiner sozialen Rücksicht gelenkte Bebauung“ verwandelte sich 1943 in eine Trümmerwüste. Die Nachtigallenstraße und teils auch die Hansdorfer sind heute Fußpfade. 1945 begann die Wiederherstellung der praktisch unbewohnbaren „Burg“.

1892 wurde der Bauverein gegründet. Die Initiative war vom Evangelisch-sozialen Arbeiter-Verein zu Hamburg (namentlich vom späteren Pastor Paul Ebert) ausgegangen. Neben Handwerkern und Arbeitern traten Bildungs- und Besitzbürger bei, wie der Gummifabrikant und spätere Senator Traun. Um der „Wühlerei“ einer sozialdemokratischen Minderheit zu begegnen, formte sich der Bauverein 1903 in eine Aktiengesellschaft um. Männer wie Traun handelten karitativ und quasi vormundschaftlich. Wenn sie eine politische Absicht verfolgten, dann mittelbar. Im Gegensatz zur „Produktion“ wollte der Bauverein die gesellschaftlichen Verhältnisse bewahren, nicht erneuern, und die Klassen versöhnen, statt die herrschende Klasse zu entmachten.

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