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Schriftzug Geschichtswerkstatt Barmbek in weißen Buchstaben vor einer roten Backsteinmauer

Tafel 24.2: Barrikaden, Kneipen und politischer Rückzug

Als 1894 das Dorf Barmbek eingemeindet und zu einem Stadtteil von Hamburg wurde, war die Hamburger Straße bereits in großen Teilen von dichter Wohnbebauung umgeben. Barmbeks Bevölkerungszahl war 1894 auf 38 347 angestiegen. Das Bauerndorf hatte sich zum Arbeiterwohnquartier entwickelt. 1920 zählte Barmbek bereits 13.200 Einwohner. In Barmbek-Süd war der Anteil der unteren Schichten besonders hoch. Der Stadtteil war eine Hochburg der Arbeiterbewegung – der Sozialdemokratie, der Kommunisten und Gewerkschaften. Der Platz an der Vogelweide, zwischen Wohldorfer- und Volksdorfer Straße, galt in den 1920er/30er Jahren als Zentrum des politischen Stadtteillebens und wurde im Volksmund auch der „Rote Platz“ genannt. Die umliegenden Straßen waren immer wieder Schauplatz von Unruhen und politischen Kämpfen.

Hungerunruhen

Am 18./19. August 1916 brachen in der Hamburger Straße sogenannte Hungerunruhen aus. Mehrere Tausend Menschen zogen protestierend durch die Straße, nach einem Bericht der politischen Polizei hauptsächlich „Frauen, halberwachsene Burschen, Mädchen und Kinder aus den unteren Ständen“. Die Kinder sangen „Brot her, Brot her oder wir fallen um“. Die Polizei schritt zunächst nicht ein, später ging sie mit ihren Säbeln gegen die Menge vor. Am 22./23. Februar 1917 – im sogenannten Steckrübenwinter – kam es in Barmbek erneut zu Hungerunruhen, die sich auch auf andere Stadtteile ausbreiteten.

Sülzeunruhen

Nach Kriegsende, im Juni 1919 kam es zu den „Barmbeker Sülzeunruhen“. In der Notzeit wurde aus Fleischresten Sülze hergestellt. Einen Barmbeker Hersteller verdächtigte man, in einem Keller der Oberaltenallee 76 auch Hunde- und Katzenfleisch verarbeitet zu haben. Es kam zu heftigen Protestaktionen. Die „Schuldigen“ mussten sich auf einem Plattenwagen durch Barmbek fahren und mit der eigenen Sülze füttern lassen.

Hamburger Aufstand

Am 23. Oktober 1923 wurden im Rahmen des „Hamburger Aufstandes“, der sich gegen die Krisen- und Inflationspolitik der Regierung richtete, zahlreiche Polizeiwachen angegriffen. In Barmbek wurden die Wachen am Markt, im Holsteinischen Kamp und in der Drosselstraße erstürmt. In den Seitenstraßen rund um die Hamburger Straße wurden zahlreiche Barrikaden errichtet, um die Durchfahrt der Panzerwagen der Polizei zu verhindern. Nach drei Tagen wurde der kommunistisch orientierte Aufstand von der Polizei niedergeschlagen. Es gab zahlreiche Verletzte und Tote auf beiden Seiten.

Barmbek gegen Rechts

Mit dem Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung kam es Anfang der 1930er Jahre auch in Barmbek zu Aufmärschen der Nazis. Wiederholt kam es zu Zusammenstößen zwischen Nazianhängern und Gegnern, aber auch zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Bis zuletzt blieb in Barmbek eine Wählermehrheit gegen Hitlers Kanzlerschaft bestehen. Die SPD kam bei den Wahlen am 5. März 1933 auf 31,9 %, die KPD auf 20,1% der Stimmen. Diese ‚Gesinnungsmehrheit‘ gegen das Naziregime wurde jedoch in den 1930er Jahren auch in Barmbek nach und nach zu einer instabilen Minderheit.

Barmbek – einst auch eine Kneipenhochburg

Im Zuge der Verstädterung entstanden in der Hamburger Straße und in den umliegenden Seitenstraßen zahlreiche Gastwirtschaften und Frühstückslokale, wie damals die Kneipen an der Ecke genannt wurden. Sie waren Orte des geselligen Beisammenseins, aber auch Orte des politischen Meinungsaustausches. Von den politischen Parteien wurden sie auch als Versammlungslokale genutzt. An der Ecke Berthastraße/Hamburger Straße, gegenüber vom Traum Theater (Odeon) lag die „Wartburg“ (später Café Heinemann), ein Treffpunkt der heiratswilligen Barmbeker, wo man auch gerne draußen im Garten saß und bei einem „Elbschloss-Hell“ die Passanten an sich vorbeiziehen ließ. Heute befindet sich an gleicher Stelle das China-Restaurant „Goldener Drache“, mit Blick auf vorbeirasende Autos und geschäftige Menschen.

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