Tafel 30: Vierspänner-Mietshaus Heitmannstraße
Das Haus Nr. 48 ist 1882 noch in der frühen Verstädterungsphase Barmbeks entstanden. Ganz anders ist zum Beispiel das Erscheinungsbild der Etagenhäuser in der Flotowstraße. Vierspänner heißt, auf jedem Geschoss liegen 4 Wohnungen. Hier auf rechteckigem Grundriss an jeder Ecke des Hauses eine mit je ca. 40 Quadratmeter. Querlüftung, dann von den Wohnreformern gefordert, war nicht möglich.
Der Fotograf Erich Andres berichtete, am 30. Juli 1943, dem Tag nach Barmbeks Zerbombung, sei an dem Haus eine antifaschistische Parole zu lesen gewesen. Symptomatisch für den Stimmungsumschwung, den die Operation Gomorrha in Teilen der Hamburger Bevölkerung auslöste. Viele kehrten sich vom Regime ab, wurden vorübergehend gleichgültiger seinen Drohungen gegenüber. Den Spruch fotografierte Andres natürlich nicht, es wäre zu riskant gewesen. Wohl aber einige der Bewohner, die ihr Haus, so Andres, vorm Niederbrennen gerettet hatten. Nach friedensmäßiger Gewohnheit haben sie sich zum Gruppenfoto aufgestellt, in Form eines V. Auch den Anfang der Heitmannstraße bei der Hamburger Straße hat Andres fotografiert. Unter Bergen von Schutt und großen Mauerbrocken ist der Fahrdamm begraben.
An diesem 30. Juli 1943 war Frau H., die schräg gegenüber einen Brotladen betrieben hatte, schon seit einem Dreivierteljahr in Theresienstadt, im Lager. Sie war Jüdin. Ihr nichtjüdischer Mann war im Ersten Weltkrieg gefallen. Kein Grund, die Deportation aufzuschieben, wie im Falle noch bestehender so genannter Mischehen. Frau H. hatte Glück, sie erlebte die Befreiung und traf mit einem Rücktransport an der Finkenau ein. Der Brotladen in der Hausnummer 43, zerstört wie die meisten Hauser rundum, war in der Parterrewohnung eingerichtet.
