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Schriftzug Geschichtswerkstatt Barmbek in weißen Buchstaben vor einer roten Backsteinmauer

Tafel 34.1: Zwangsarbeiter – Aus ganz Europa nach Hamburg

Wie in anderen industriell geprägten Stadtteilen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus auch in vielen Barmbeker und Winterhuder Betrieben ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Militärinternierte zur Zwangsarbeit eingesetzt. Mit ihnen sollte der Arbeitskräftemangel in der Produktion und Versorgung ausgeglichen und die deutsche Kriegsindustrie unterstützt werden.

Fast eine halbe Million

Zwischen 400.000 und 500.000 Menschen waren während des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) zur Zwangsarbeit nach Hamburg verschleppt worden – Männer, Frauen, Kinder, z.B. aus Frankreich, Holland, Italien, Polen und der Sowjetunion. Sie waren in rund 1300 Lager über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Ca. 1000 Hamburger Unternehmen setzten ausländische Arbeitskräfte ein. In Barmbek und Winterhude waren es ca. 76. Davon waren 51 ortsansässig. Zu den bekanntesten und größten Firmen zählten die Maschinen- und Werkzeugfabrik Heidenreich & Harbeck, die Maschinen- und Kranfabrik Kampnagel, die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie, die Gummi- und Asbestfabrik Tretorn und die Fischfabrik Walkhoff. Aber auch städtische/staatliche Einrichtungen nutzten ausländische Arbeitskräfte, z.B. das Gaswerk, die Hoch- und Reichsbahn, Krankenhäuser, die Bauverwaltung, das Amt für kriegswichtigen Einsatz und die Deutsche Arbeitsfront.

Unterkünfte

Untergebracht waren die Zwangsarbeiter in Gaststätten, Schulen, Sportstätten, Kirchen- und Betriebsgebäuden. Um eine bessere Überwachung zu ermöglichen, ordnete der Hamburger NSDAP-Gauleiter Karl Kaufmann im März 1941 an, dass alle ausländischen Arbeitskräfte in speziellen Lagern unterzubringen sind. Daraufhin entstanden verteilt über die ganze Stadt zahlreiche Barackenlager, so auch in Barmbek und Winterhude. Hier gab es in der Kriegszeit ca. 105 Lager, die sich in ihrer Form, Nutzung und Trägerschaft unterschieden. Es gab Firmenlager, die von einzelnen Betrieben oft auf dem Firmengelände eingerichtet wurden, es gab Gemeinschaftslager , die von mehreren Unternehmen genutzt und getragen wurden, und es gab Kriegsgefangenenlager, die in der Regel von der Wehrmacht verwaltet wurden.

Arbeits- und Lageralltag

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter waren sehr unterschiedlich. Entsprechend der nationalsozialistischen Rassenhierarchie waren die osteuropäischen Arbeitskräfte auf der untersten Stufe angesiedelt. Während westeuropäischen Zwangsarbeitern größerer Bewegungsspielraum zugestanden wurde, bestanden für Arbeitskräfte aus Polen und der Sowjetunion Sondervorschriften und strengere Auflagen. Sie mussten Abzeichen auf ihrer Kleidung tragen, sie bekamen geringstmöglichen Lohn, unzureichende Ernährung und harte Strafen bei Verletzung der Vorschriften. Kontakte zur deutschen Bevölkerung waren streng verboten.

Zeitzeugen

Alla Tscherkossowa, 2007

Ich war in Deutschland von 1942 bis 1945. Ich arbeitete bei der Norddeutschen Nickel- und Silberwarenfabrik Brimmekamp am Winterhuder Marktplatz 18 a. Unser Lager war auf dem Fabrikgelände. Im ersten Jahr arbeitete ich als Gasschmelzschweißerin. Danach – als meine Augen weh taten – wurde ich beim Punktschweißen eingesetzt. Wir stellten große Kisten für Granaten und Granatengehäuse her. Es waren Meister, die uns bewachten. Wir arbeiteten ohne Pausen. Zuerst arbeiteten wir nur 8 Stunden pro Tag, um uns an die Arbeit zu gewöhnen, danach 12 Stunden, von 6 bis 18 Uhr. Eine Woche Tagschicht, die nächste Woche Nachtschicht. Sonntags war frei. Zur Arbeit und zurück gingen wir immer mit der Wache. Das Essen war sehr schlecht: Kohlrüben, Blumenkohl. Die Suppe aus Kartoffelschalen. Ein Kessel mit Rotkohl und ein Brötchen für eine Woche. Wir aßen das Brötchen in zwei Tagen und gingen hungrig los. Ich wog damals 43 Kilo. Wir wohnten in einer Baracke mit drei Zimmern, jeweils mit 20 Menschen. Insgesamt waren wir 58, später 55 Frauen. Dann gab es noch einen Raum mit Waschbecken und drei Duschen. Im Winter war es dort sehr kalt. In der Nachtschicht klauten wir Kohle aus der Fabrik und wärmten unsere Zimmer.

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